Bigband-Konzert rundum gelungen

Michael Zanzinger und das ELMO

ELMO-Konzert in Schwabach

Ein wirklich klasse Konzert des ELMO (Easy Listening Music Orchestra)! Tolle Musiker, die vor Spielfreude nur so gesprüht haben, eine absolut gelungene Auswahl der Stücke, die von einer launigen Moderation perfekt In Szene gesetzt wurden, ein „Stargast“ Norbert Nagel, der vollkommen ohne Starallüren sein brillantes Können zeigte – alles Zutaten für einen außergewöhnlichen Abend.
Dazu hat die Technik es geschafft, die Musiker und die Musik „in das rechte Licht“ zu setzen und selbst in dem akustischen Schuhkarton des Markgrafensaals einen ausgewogenen Sound zu produzieren.
Man darf nur hoffen, dass dieses Projekt eine Fortsetzung findet.

Michaela Binder und Stargast Norbert Nagel

Aber nicht nur das Konzert war rundum gelungen, sondern auch für mich als Rollstuhlfahrer war es wieder einmal ein positives Erlebnis.  Da eine direkte Buchung der Rollstuhlplätze über die Veranstaltungsseite nicht möglich war, setzte ich mich mit dem Veranstalter per E-Mail direkt in Verbindung. Innerhalb kürzester Zeit erhielt ich von Michael Zanzinger eine Antwort über die Reservierung meiner Rollstuhlkarte inklusive Begleitperson. Reservierung bestätigt, Betrag überwiesen – so einfach kann das sein. Eine vorbildliche unbürokratische Abwicklung!

Ganz nebenbei habe ich bei dieser Veranstaltung auch viele „alte“ Musikkollegen von früher getroffen. Wobei aufgefallen ist, dass viele Musiker aus der näheren Umgebung anwesend waren. Anscheinend hatte es sich herumgesprochen, dass an diesem Abend etwas außergewöhnliches geboten sein wird, was sich eingefleischte Musiker nicht entgehen lassen wollten. Sie wurden ganz sicher nicht enttäuscht, im Gegenteil: Sie quittierten die Leistung ihrer „Kollegen“ am Schluss des Konzerts mit lang anhaltendem donnerndem Applaus, Bravo-Rufen und Standing Ovations.

Liebe alte Bekannte getroffen

Querschnitt ist bequem!?

Zum Abschluss einer Veranstaltung hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art:

Das Konzert war zu Ende, ich hatte den Veranstaltungsort über die Rollstuhlrampe verlassen und im Hinterhof wartete mein Fahrdienst auf mich. Das Konzert hatte etwas länger gedauert und so musste mein Fahrer schon 45 Minuten auf mich warten. Er hatte die hinteren Türen seines großen Ford Transit bereits geöffnet und die Rampe heruntergelassen, dass ich gleich reinfahren konnte.

Also kurz gestoppt, meine Fußstützen etwas nach oben gefahren und als ich gerade Anlauf nehmen will um die Rampe nach oben zu fahren, kommt eine ältere Dame von hinten zu mir an den Rollstuhl gestürmt und schreit mir belustigt ins Ohr: „Des is scho bequem, gell! Hahaha“. 😆

Zunächst blieb mir erst mal die Spucke weg 😯 , dann entgegnete ich nur kurz „Ich wäre froh, wenn ich die Bequemlichkeit nicht bräuchte.“ und fuhr in meinen Transporter. Meine Fassungslosigkeit wegen so viel Taktlosigkeit und Dummheit wandelte sich dann in eine Mischung aus Ärger und irgendwie auch Belustigung. Aus diesem Blickwinkel hatte ich meine Behinderung eigentlich noch nie gesehen. Es ist schon verdammt bequem, wenn man direkt vor der Haustüre abgeholt wird, direkt zur Veranstaltung gebracht und auch dort wieder abgeholt wird, die ganze Zeit in einem Stuhl sitzen kann und einem Essen und Trinken gereicht wird. Das einzige, was daran stört, ist das Leben darum herum.

Inklusion vor Ort – Wendelstein

Das große Thema Inklusion hilft den Menschen vor Ort nur dann, wenn sich im Kleinen für den Betroffenen etwas ändert und für ihn die Teilnahme am Alltagsgeschehen verbessert oder erleichtert wird. Dafür tritt unter anderem das Inklusionsnetzwerk in Roth an. Ab sofort bin ich für dieses Netzwerk in meinem Wohnort Wendelstein und der Nachbargemeinde Rednitzhembach als Repräsentant und Ansprechpartner tätig. Um für die Betroffenen schnell und unkompliziert etwas erreichen zu können, sind vor allem kurze Wege zu den Entscheidungsträgern in der Kommune sehr hilfreich. Nachfolgend der Artikel in der örtlichen Presse über den ersten Kontakt.

 

 

Artikel lesen:

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Wer die Wahl hat…

hat die Qual.

Wer dieses Jahr an der Bundestagswahl teilnimmt, hat wahrscheinlich die Qual „Wo bzw. bei wem mache ich mein Kreuz“? Da geht es mir als „Mensch mit Bewegungseinschränkungen“ nicht anders, als allen anderen Wählern in Deutschland. Vielleicht setze ich andere Schwerpunkte und achte eben darauf, wer meine Interessen am besten vertritt oder für die Zukunft die besten Perspektiven verspricht (?!). Was dann dabei herauskommt – sowohl als Wahlergebnis, als auch in der darauffolgenden Politik in den nächsten vier Jahren – werde ich und werden wir dann sehen.

Für mich hat sich aber noch eine andere Frage gestellt: wie wähle ich?

Natürlich möchte ich, wie jeder andere Wähler auch, meine Stimme selbst abgeben (= mein Kreuz selbst machen) und das Ganze geheim, frei und unbeobachtet. Ich habe mich deshalb für die Option Briefwahl entschieden. Wie das ganze ausgesehen hat? Seht selbst.

Mit diesem „Spezialstift“ ist es mir möglich, meine eigene Unterschrift unter irgendwelche Dokumente, Schriftstücke usw. zu setzen – also auch mein Kreuz auf dem Wahlschein zu machen. Das bedeutet für mich wieder ein Stück mehr Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Möglichkeit meine Rechtsgeschäfte selbst wahrzunehmen.

Durch die spezielle Form des Stiftes ist es mir möglich, den Stift einigermaßen stabil zwischen Ober- und Unterkiefer ein zu klemmen und dann durch die Bewegung des Kopfes zu schreiben. Natürlich erfordert es einige Übung, damit das Ergebnis einigermaßen die gewünschte Form hat. Aber es ist eine Möglichkeit und Alternative zu den herkömmlichen Stiften, mit denen die ganze Aktion nahezu unmöglich wäre.

Noch eine wichtige Ergänzung: man benötigt natürlich auch eine entsprechende Schreibunterlage, die so fixiert werden kann, dass man sie mit dem Stift gut erreichen kann und die auch einen festen Halt bietet, damit man den nötigen Druck durch den Stift erzeugen kann. Ich benutze dazu ein Klemmbrett, das von meinem Helfer in der benötigten Position gehalten wird.

Dieser Stift eignet sich übrigens auch für Personen, die Schwierigkeiten haben einen normalen Kugelschreiber/Stift fest in der Hand zu halten. Wer Interesse hat, kann sich das nachfolgende Video dazu gerne anschauen.

 

 

Frankenschau aktuell

Am 3. April 2017 wurde im Rahmen der „Frankenschau aktuell“ des Bayerischen Fernsehens ein Beitrag über mich gesendet. In diesem, wie ich meine sehr gut gemachten Beitrag, geht es vor allem um meinen „Weg zurück ins Leben“, speziell um die Wiederaufnahme meiner Tätigkeit als Betreuer bei der Jugendkapelle der Gemeinde Rednitzhembach.

Wer den Bericht verpasst haben sollte, kann ihn sich hier noch einmal ansehen:

Stadionbesuch – Sieg

Vor dem Spiel
Es war kalt

Es ist wieder einmal so weit – ein Heimspiel meines Vereins 1. FC Nürnberg steht an, und zwar gegen den Tabellenführer RB Leipzig. Es verspricht ein spannendes Spiel zu werden, also mein Rollstuhltaxi rechtzeitig organisiert (mein Fahrer Klaus ist ein ebenso glühender Fan wie ich) , meinen Freund Herbert als Begleitperson (natürlich ebenfalls ein Clubberer) eingeladen und auf geht’s ins Stadion.
40.000 Zuschauer werden erwartet, d.h. dichter Verkehr ums Stadion, Verzögerungen beim Einlass und Wartezeiten. Spielbeginn ist 13:30 Uhr und somit haben wir die Abfahrt für 12:00 Uhr festgelegt. Die Clubmütze aufgesetzt, den Fanschal umgehängt und dick eingepackt – es war „arschkalt“ – geht es los. Und siehe da, wir kommen ohne Verzögerung zum Stadion, durch die Einlasskontrollen und auf den Rollstuhlplatz. Jetzt heißt es eine Stunde in der Kälte ausharren bis das Spiel endlich an gepfiffen wird. Die Rollstuhlplätze im Nürnberger Stadion sind unterhalb der Haupttribüne und man hat einen ziemlich guten Blick auf das Spielfeld. Die Zufahrt zu den Plätzen ist auch problemlos möglich, allerdings könnte die Beschilderung für Ortsfremde etwas besser sein.

Unsere Mannschaft
Wir sind der Club

Anpfiff, es geht los. Ein spannendes Spiel mit viel Engagement von unserem Club. Trotzdem fangen wir das 0:1. Gott sei Dank bin ich so gut eingepackt, denn zur Kälte kommt jetzt noch ein leichter Wind dazu. Aber dann legt unser Club richtig los, schießt noch drei Tore und schlägt den Tabellenführer somit 3:1. Sieg! Am Schluss war es so spannend, dass mich meine Spastik fast bei jedem Angriff und Tor aus dem Rollstuhl katapultiert hätte. Aber wenigstens wurde mir davon wieder etwas wärmer. Diese Wärme hat dann noch ausgereicht, um die Ehrenrunde der Mannschaft mitzunehmen. Ich bin aber nicht der einzige, dem es so ergeht. Mein Freund Herbert ist dem Herzinfarkt nahe und mit den Nerven nach dem Abpfiff vollkommen herunter. Jetzt heißt es erst einmal tief durchatmen. Dann geht es wieder zurück zum Rollstuhltaxi, mit dem üblichen Slalomlauf durch die (sieges-) trunkenen Fans, die zu allem Überfluss noch ihre Glückseligkeit per Handy der Welt mitteilen müssen.

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Endlich wieder warm

Geschafft – endlich am Taxi, Rampe runter und rein. Dann Heizung auf volle Pulle und erst einmal aufwärmen. Die Rückfahrt nach Hause ging Gott sei Dank genauso problemlos wie die Hinfahrt und so war dieser erfolgreiche Ausflug um 16:00 Uhr wieder beendet. Aber trotz alledem freue ich mich schon wieder auf die Fußballspiele bei wärmeren Temperaturen aber dann hoffentlich mit einem ebenso erfolgreichen Ausgang.

Der Blog und ich

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Hallo auf meinem Blog!

Mein Name ist Bernd Jörka, ich bin Baujahr 1962 und wohne in der Nähe von Nürnberg.

Bis zu meinem Unfall im Jahr 2013 war ich als freiberuflicher Musiker unterwegs und unterrichtete privat sowie an verschiedenen Schulen und Musikschulen Klarinette und Saxophon. Weiterhin war ich als „Verwaltungschef“ einer gemeindlichen Musikschule tätig.

Im Jahr 2013 traf es mich dann sozusagen wie aus heiterem Himmel: bei einem Freizeit-Fußballspiel stieß ich als Torwart mit einem Gegenspieler zusammen und war von da an vom Hals abwärts querschnittsgelähmt.

Nach einem 9-monatigen Klinikaufenthalt lerne ich mein „neues“ Leben aus einer Perspektive, die für mich bis zu diesem Zeitpunkt (wie für jeden anderen Fußgänger) vollkommen unbekannt war.

In diesem Blog geht es um meine Erlebnisse dabei, den ganz normalen Wahnsinn als Behinderter, sozusagen eine Art Tagebuch. Wer etwas tiefer einsteigen und etwas mehr über mich und mein Leben als Behinderter erfahren möchte, dem möchte ich meine Homepage ans Herz legen.

Natürlich würde ich mich über Kommentare zu meinem Blog, zu einzelnen Beiträgen oder was auch immer sehr freuen.

Steh-auf-Man

Steheauf
Auf Augenhöhe

Nach zweieinhalb Jahren war es endlich soweit: ich konnte meiner Umwelt einmal wieder auf Augenhöhe entgegentreten.
Wie das?
Zusammen mit meinem Neurologen, meinem Ergotherapeuten und meinem Sanitätshaus haben wir bei meiner Krankenkasse einen Rollstuhl mit Stehfunktion beantragt – und genehmigt bekommen. Die Bearbeitung ging relativ zügig voran und beschränkte sich auf verständliche Maßnahmen (Rückfragen, Test eines Alternativprodukts). Der Stuhl wurde ausgeliefert und natürlich haben wir ihn sofort ausprobiert.
Ich kann euch kaum beschreiben, was für ein Gefühl es ist, endlich wieder auf seinen eigenen zwei Beinen zu stehen und seine Umwelt aus einer lange vermissten Perspektive wieder wahrnehmen zu können. Die letzten zweieinhalb Jahre war meine Augenhöhe entweder ca. 1,5 m im Rollstuhl sitzend oder im Bett liegend. Jeder, mit dem ich mich in dieser Zeit unterhalten habe, schaute deshalb auf mich herab oder musste sich zu mir herunter beugen, es sei denn, er setzte sich dazu auf einen Stuhl. Diesen psychologischen Effekt des „auf-einen-herabschauen“ sollte man auf Dauer nicht unterschätzen. Es ist ein schleichender Prozess, der verbunden ist mit dem Gefühl immer auf Hilfe anderer angewiesen zu sein. Wenn man nicht aufpasst, kommt man hier sehr schnell in eine passive Rolle.
Außerdem war ich vor meinem Unfall mit einer Körpergröße von 1,86 m auch nicht gerade klein (natürlich bin ich nach dem Unfall immer noch so groß!) und war somit eher in der Rolle desjenigen, der auf jemanden herab sah. Durch das Liegen im Bett, das Sitzen im Rollstuhl und auch die Querschnittslähmung verliert man nach einiger Zeit unweigerlich das Gefühl für die eigene Körpergröße und die Relationen.
Alleine in der altgewohnten Umgebung wieder einmal zu stehen, die gleiche Perspektive „wie früher“ zu haben (in den Räumen und Personen gegenüber) ist fantastisch. Ein kleines Beispiel hierzu: als ich in meinem ehemaligen Musikraum meiner Frau gegenüberstand, fragte ich, wie weit ich mit den Füßen vom Boden weg sei. Von meinem Gefühl her mussten es ca. 15-20 cm gewesen sein. Umso erstaunter war ich, als mir die Umstehenden sagten, dass ich fast auf dem Boden stehe, höchstens 3-5 cm darüber. Ich hatte vollkommen vergessen, wie groß ich war.
Aber auch für den eigenen Körper ist es eine neue Aufgabe. Die Atmung muss anders arbeiten, der Kreislauf muss das Blut endlich einmal wieder von oben nach unten pumpen und auch die inneren Organe freuen sich, dass sie einmal wieder in die Position kommen, in die sie gehören. Erstaunlicherweise hat sich mein Körper dagegen nicht sonderlich gewehrt, soll heißen der Kreislauf blieb stabil und auch die Atmung hat gut funktioniert. Am Anfang zunächst für 20 Minuten, mittlerweile sind wir bei fast 45 Minuten angekommen.
Ich freue mich schon darauf, wenn ich mit diesem Rollstuhl bei einer Veranstaltung einen Platz für Rollifahrer einnehme und dann in die stehende Position gebracht werde. Zum einen bin ich auf die Gesichter der umsitzenden Normalos gespannt (die suchen wahrscheinlich alle nach der versteckten Kamera) und zum anderen auf deren Reaktion, wenn so ein Behinderter ihnen plötzlich die Sicht nimmt. Das ist dann sicher wieder einen Beitrag hier im Blog wert…